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Tief in der Seele
Kurt Wagner, Vorstand von Lambchop, hat sich nie viel Mühe gegeben, die Welt in seinen Songs zu erklären. Das muss er auch nicht tun, denn die Musik seines kleinen, kammermusikalisch um das Thema Rock kreisenden Orchesters, das sich der Pflege großer Traditionen zwischen Soul und Country, Folkgitarre und Beserlschlagzeug widmet, verbreitet immer Wohlgefühl. Das aktuelle Album "Damaged" (CitySlang/Edel) gerät zu einem Trip in die Tiefen der Seele. Dieses Gefühl beim Hören entspricht Wagners Definition der neuen Platte: Sie sei sein bislang persönlichstes Statement. Introvertiert, leise, nachdenklich und jederzeit verzückend dreht sich hier eine Scheibe, die eine ideale Herbstvorbereitung ist.bef
Die größte Party der Geschichte
Kritik? Ironie? Spaß? Bei "Die Tiere sind unruhig" (EMI), dem vierten Album von Kante (Live in Österreich: 15. 9. Wien, 16. 9. Salzburg/ARGEKultur) stellen sich diese Fragen und lassen sich gleich beantworten: Ja, alles und bitte: mehr von dieser (um einen Songtitel zu zitieren) "größten Party der Geschichte". Die Produktion ist üppig. Streicher und Orchester, Gitarren und Schlagwerk - und immer gerade so viel, dass einem der Spaß am epischen Ansatz nicht vergeht. Eine geradezu blinde Übereinstimmung zwischen Form und Inhalt wird hier auf Rockbasis geboten. Was inhaltlich transportiert wird, kann auch jederzeit gefühlt werden. Der Rest deutschsprachiger Rock-Song-Intelligenz-Bands kann vorerst einmal einpacken. bef
Bruckners Sirenen-Gesänge
Es fällt schon auf, dass Musiker, die mit Bach viel im Sinn haben, auch mit Bruckner gut zurecht kommen. Philippe Herreweghe steht geradezu mustergültig dafür. Mit seinem auf Originalinstrumenten spielenden Orchestre des Champs Elysées hat er bei harmonia mundi france Bruckners Siebte aufgenommen, jetzt ist die Vierte, die "Romantische", erschienen (HMC 901921). Deren heitere Stimmung erreicht Herreweghe mit dem hervorragenden Orchester nicht durch burschikose Fröhlichkeit, sondern durch die Zartheit, durch Subtilität des Klangs. Herreweghe hat statt mächtiger Klangklötze feinstes Lineament zu bieten und lädt ein, Bruckners Sirenen-Gesänge kennen zu lernen. Ein verführerisches Abenteuer.mo
Kein Verstecken hinter dem Thron
Im ganzen Booklet ist Max Nagl nicht zu sehen. Pop-Exzentriker Robert Wyatt thront statt des österreichischen Saxofonisten auf dem Porträtfoto im Beiheft zu Nagls aktueller CD "Market Rasen" (Handsemmel Records/Lotus). Untertitel: "Gewidmet der Musik von Robert Wyatt". Wenn Nagl jedoch im Trio mit Herbert Pirker (Schlagzeug) und Clemens Wenger (Keyboards) die Musik des britischen Songschreibergenies ausleuchtet, versteckt er sich keinesfalls hinter dem Original. Wie ein bedrohlich nahe vorbeiziehendes Gewitter kommt da "5 black notes and 1 white one" daher, lyrisch vergrübelt die Ballade "CP Jeebies", wuchtig Nagls selbst beigesteuerter Opener "Fatty". Ein geglücktes Tribut ohne Selbstverleugnung.pac
Bittere Wahrheit populär verpackt
Mit ihrer Mischung aus Reggae, Ska, Dancehall, Jazz und Rock sind "Los Skalameros" aus Stuttgart am Puls der Zeit. Sie erinnern mit ihrem Album "Did you forget" (Worker's music/Soulseduction) angenehm an Manu Chao oder Seeed. Lässig swingen dabei die Bläser in guter, alter Ska-Tradition. Weniger Party, dafür viel Politik hat Michael Franti mit seinem neuen Album "Yellfire" (Boo Boo Wax/ Edel) im Sinn. Er war im Irak, Israel und Palästina. Was er sah, hat ihn zornig gemacht, etwa auf Amerika und den Krieg im Irak. Franti hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Dass man dazu auch tanzen kann, ist typisch für ihn. Schließlich versteht er es perfekt, bittere Wahrheiten populär zu verpacken. awi
© SN.
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